Angstzustände sind eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts: kreisende Gedanken, Herzrasen, Schlafstörungen, usw. Was wäre, wenn der Vagusnerv einer der Hauptakteure bei der Beruhigung dieses inneren Aufruhrs wäre? In diesem Artikel nehme ich Sie mit auf eine Reise in die Tiefen des Nervensystems, um Ihnen zu helfen, diese unsichtbare Verbindung zwischen Ihrem Gehirn, Ihrem Körper und Ihren Emotionen besser zu verstehen, und gebe Ihnen konkrete Tipps, wie Sie ihn aktivieren und ins Gleichgewicht bringen können, für eine dauerhafte innere Gelassenheit.
In diesem Artikel erfahren Sie:
- Was der Vagusnerv ist und welche Rolle er bei der Bewältigung von Angstzuständen spielt
- Die zugrunde liegenden biologischen und psychischen Mechanismen
- Wirksame Techniken zur Stimulierung und Stärkung der Aktivität des Vagusnervs
- Wie Sie diese in Ihren Alltag integrieren können, um eine nachhaltige innere Harmonie wiederzufinden echte und dauerhafte innere Harmonie wiederzufinden.
Der Vagusnerv: eine Brücke zwischen Körper, Gehirn und Emotionen
Anatomie und physiologische Funktion

Der Vagusnerv, auch Nervus vagus oder X. Hirnnerv genannt, ist der längste der Hirnnerven. Er entspringt im Hirnstamm, verläuft durch den Hals, innerviert Herz, Lunge und Verdauungssystem und spielt eine zentrale Rolle im autonomen Nervensystem.
Man unterscheidet zwei Hauptkomponenten:
- Afferente Fasern (ca. 80 %), die von den Organen zum Gehirn verlaufen,
- Efferente Fasern (ca. 20 %), die die Zielorgane (Herz, Darm usw.) regulieren.
Dank dieser bidirektionalen Funktion spielt der Vagusnerv eine entscheidende Rolle in der Kommunikation zwischen Darm und Gehirn, im Hormonhaushalt, bei der Entzündungsregulation und im Gleichgewicht zwischen Stress und Erholung.
Der Vagusnerv in der Polyvagal-Theorie

Die von Stephen Porges entwickelte Polyvagal-Theorie erklärt die Funktionsweise des autonomen Nervensystems und dessen Einfluss auf unser Wohlbefinden.
Nach diesem Modell arbeitet unser autonomes Nervensystem (ANS) in drei Hauptzuständen, die sich je nach unserer Wahrnehmung von Sicherheit oder Gefahr aktivieren:
- der ventrale vagale Zustand, d. h. der Zustand der sozialen Sicherheit (Ruhe, Verbundenheit, Gelassenheit, Offenheit)
- der sympathische Zustand, d. h. der Zustand der Mobilisierung (Flucht/Kampf, Unruhe, Abwehr)
- der dorsale vagale Zustand, d. h. der Zustand der Erstarrung (extreme Verlangsamung, Dissoziation, Rückzug)
Bei chronischer Angst führt eine Überaktivierung des sympathischen Systems oder eine vagale Dysregulation dazu, dass der Körper in einem Zustand ständiger Alarmbereitschaft verharrt. Die Stimulation des Vagusnervs kann helfen, den ventral-vagalen Zustand zu fördern. D.h. ein Zustand innerer Sicherheit, Ruhe und sozialer Verbundenheit.
Vagusnerv, Entzündungen und Mikrobiota

Studien, unter anderem vom Inserm (Institut national de la santé et de la recherche médicale), zeigen, dass der Vagusnerv als Vermittler zwischen Darmmikrobiota und Gehirn wirkt: Ein mikrobielles Ungleichgewicht kann über den Vagusnerv negative Signale senden und so Depressionen, Angstzustände oder chronische Entzündungen begünstigen.
Diese Entdeckungen sowie weitere Studien beleuchten die Rolle des Vagusnervs bei bestimmten psychischen Störungen, darunter chronische Angstzustände, und eröffnen neue therapeutische Ansätze. Die Stimulation des Vagusnervs durch Atemübungen, Herzkohärenz, Meditation oder gezielte Massagen kann die Regulation des Nervensystems verbessern und somit die Wirksamkeit anderer Behandlungsansätze unterstützen.
Mit anderen Worten: Ein starker Vagusnerv schützt vor Angst, während ein geschwächter Vagusnerv das Gegenteil bewirken kann.
Vagusnerv und Angstzustände: Wie hängen sie zusammen?
Die Rolle des autonomen Nervensystems (ANS)
Das ANS ist der Dirigent unseres inneren Gleichgewichts. Es steuert automatisch Herzfrequenz, Atmung, Verdauung sowie emotionale Reaktionen und die Fähigkeit, sich verbunden zu fühlen – mit sich selbst und anderen.
Im Gleichgewicht ermöglicht es uns einen harmonischen Wechsel zwischen Aktivierung (Energie, Konzentration) und Ruhe (Erholung, Sicherheit). Dieser Übergang geschieht fließend, fast unmerklich.
Bei anhaltender Angst gerät dieses System aus dem Gleichgewicht: Der Körper bleibt im Alarmmodus oder fällt in eine Art innerer Starre – mit Symptomen wie ständiger Anspannung, Überforderung, Rückzug oder Erschöpfung.
Dieses autonome Nervensystem besteht aus zwei Hauptzweigen:
- dem sympathischen Nervensystem (Aktivierung)
- dem parasympathischen Nervensystem (Beruhigung)
Der Vagusnerv ist der wichtigste Bestandteil des Parasympathikus – er wirkt wie eine Bremse. Wenn er aktiv ist, verlangsamt sich der Herzschlag, die Atmung vertieft sich und der Geist kommt zur Ruhe.
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Wie erkennt man einen geschwächten Vagusnerv?
Eine niedrige Herzfrequenzvariabilität gilt als Hinweis auf eine geringe vagale Aktivität. Ist diese zu schwach, wechselt der Körper leichter in den Alarmmodus. Stress, Angst und Hypervigilanz nehmen zu.
Typische Anzeichen:
- Flache, schnelle Atmung
- Herzklopfen oder beschleunigter Puls
- Muskelverspannungen (z. B. im Nacken, Rücken, Schultern)
- Verdauungsbeschwerden (Blähungen, Verstopfung, langsame Verdauung)
- Schlafstörungen (Einschlafprobleme, häufiges Erwachen)
- Stimmungsschwankungen, Grübeln
Selbstbeobachtung
Setzen Sie sich für fünf Minuten ruhig hin, legen Sie eine Hand auf die Brust und die andere auf den Bauch. Atmen Sie natürlich und achten Sie auf Ihren Körperzustand: Wie ist Ihr Atemrhythmus? Ihr Spannungsniveau? Ihre Gedanken?Bewerten Sie am Ende auf einer Skala von 1 bis 10, wie ruhig Sie sich fühlen.
Sie können auch den Selbstest: Dysreguliertes Nervensystem erkennen machen hier. Er dauert nur wenige Minuten und hilft Ihnen, Ihren aktuellen Zustand besser einzuschätzen.
Wissenschaftliche Erkenntnisse
Mehrere aktuelle Studien zeigen vielversprechende Ergebnisse zur Stimulation des Vagusnervs bei Angst- und depressiven Störungen. Um nur einige Beispiele zu nennen:
- Eine Studie mit Präzisionsschützinnen hat gezeigt, dass eine vierwöchige tägliche Stimulation des Vagusnervs von 30 Minuten Dauer Stress und somatische Angstzustände deutlich reduziert. MDPI, 2025.
- Kumagai, Isoguchi Shiramatsu & Kawai schlagen einen theoretischen Rahmen vor, nach dem die Stimulation des Vagusnervs das Gleichgewicht zwischen neuronalen „Feedforward”- (direkte Aktion) und „Feedback”-Signalen (Rückkopplung) moduliert, wodurch eine adaptive Plastizität des Gehirns in den emotionalen Schaltkreisen gefördert wird, was neue Wege zum Verständnis und zur Optimierung seiner therapeutischen Wirkungen eröffnet. arXiv, 2025.
- In „Nature Communications” zeigt eine Studie an gestressten Mäusen, dass die vagale Stimulation die Interaktionen zwischen dem präfrontalen Kortex und der Amygdala beeinflusst und somit das Angstverhalten des Tieres beeinflusst. Nature, 2024.
- Eine weitere Studie zeigt, dass die Stimulation des Vagusnervs Menschen mit Autismus dabei helfen könnte, besser mit Angst und Unruhe umzugehen. Durch die Beeinflussung der mit Emotionen verbundenen Hirnkreisläufe würde dieser Ansatz eine bessere Emotionsregulation und eine Verringerung der Angstreaktionen fördern und damit den Weg für neue therapeutische Strategien im Autismus-Spektrum ebnen. PMC, 2022.
- Eine 2024 in JAMA Network Open veröffentlichte Studie zeigt, dass die aurikuläre Vagusnervstimulation (taVNS) die Schlafqualität signifikant verbessert und Schlaflosigkeit reduziert, verglichen mit einer Kontrollgruppe ohne Stimulation. Diese Ergebnisse deuten auch auf eine positive Wirkung auf die Stimmung und Angstzustände hin. JamaNetwork, 2024; PMC, 2025; NeuromudulationJournal, 2025.
- In ähnlicher Weise zeigt eine 2024 von OUP Academic veröffentlichte Studie, dass eine gezielte Stimulation des Vagusnervs (angepasste Frequenz und Intensität) die Schlafqualität und die Funktion des Nervensystems bei Veteranen mit posttraumatischem Stress verbessert. Sleep, 2025.
Von der Forschung zur Praxis: Wie Sie den Vagusnerv natürlich stimulieren können
Praktische Übungen zur Stimulation des Vagusnervs
Zwerchfellatmung

Atmen Sie langsam durch die Nase ein, lassen Sie den Bauch beim Einatmen anheben und beim Ausatmen wieder senken.
Atmen Sie 4 Sekunden lang ein,
halten Sie den Atem 1 bis 2 Sekunden lang an,
atmen Sie 6 bis 8 Sekunden lang aus.
Machen Sie diese Übung 5 bis 10 Minuten lang.
Wenn Sie noch weitergehen möchten, empfehle ich Ihnen meinen Artikel Stressbewältigungsstrategien: Atemübungen gegen Stress erlernen, in dem Sie auch praktische Übungen finden. Klicken Sie dazu hier.
Herzkohärenz

Diese Übung reguliert den Herzrhythmus und synchronisiert Herz und Gehirn.
Atme 5 Sekunden lang ein.
Atme 5 Sekunden lang aus.
Führen Sie diese Übung 5 Minuten lang dreimal täglich durch, um die positiven Auswirkungen zu spüren.
Wenn Sie noch weitergehen möchten, empfehle ich Ihnen meinen Artikel Stressbewältigungsstrategien: Atemübungen gegen Stress erlernen, in dem Sie auch praktische Übungen und ein Video zur Herzkohärenz finden, indem Sie hier klicken.
Stimmvibrationen (Hum/Ôm, Singen, Gurgeln)

Leise Töne erzeugen Mikrovibrationen im Rachen und stimulieren den Vagusnerv. Sie können diese Übung vor einer Meditationssitzung oder direkt nach einer stressigen Situation einbauen.
Singen Sie, summen Sie leise oder machen Sie eine Minute lang den Laut „mmmm”, während Sie Ihre Ohren leicht zuhalten.
Kälteexposition

Eine kurze kühle Dusche oder ein kalter Wasserstrahl im Gesicht aktiviert den Vagusnerv.
Beenden Sie beispielsweise Ihre Dusche mit 15 bis 30 Sekunden kaltem Wasser und steigern Sie die Dauer von Tag zu Tag.
Selbstmassage

Legen Sie sich hin oder setzen Sie sich hin und massieren Sie 2 bis 3 Minuten lang mit kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn um den Bauchnabel herum oder um die Ohren herum, wobei Sie sanft an den Ohrläppchen ziehen. Nehmen Sie sich während der Massage Zeit für tiefe Atemzüge.
Achtsames Gehen & sensorische Stimulation

Diese Rückkehr zu den Körperempfindungen mildert das Grübeln und aktiviert das parasympathische Nervensystem.
Nehmen Sie sich 5 Minuten Zeit, um barfuß auf Gras oder einem weichen Boden (wenn möglich) zu gehen. Spüren Sie die Beschaffenheit unter Ihren Füßen, den Kontakt mit dem Boden, lauschen Sie den Geräuschen um Sie herum.
Tägliche Mini-Routine
Sie können 2 oder 3 Techniken zu einer 10-minütigen Mini-Routine am Morgen oder Abend kombinieren, zum Beispiel:
- 5 Minuten Herzkohärenz
- 1 Minute „Summen” oder „Hum/Om”
- Eine kurze lauwarme bis kalte Dusche für 30 Sekunden
Es ist wichtig, dass Sie Ihre neue Routine mindestens 21 Tage lang täglich anwenden, um die positiven Auswirkungen auf Ihr Befinden, Ihren Schlaf, Ihre Gedanken, Ihren Herzrhythmus usw. wahrzunehmen.
Vorsichtsmaßnahmen und Einschränkungen
Die Stimulation des Vagusnervs, insbesondere, wenn sie mit Geräten durchgeführt wird, ersetzt in keinem Fall eine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung, insbesondere dann nicht, wenn die Angstzustände stark ausgeprägt sind oder mit anderen psychischen Störungen einhergehen.
Bestimmte Techniken, wie etwa die Nackenmassage (Karotismassage) oder das Ausüben von Druck auf die Augen, sollten ohne therapeutische Begleitung vermieden werden, da sie gewisse Risiken bergen können.
Passen Sie die Intensität, Häufigkeit und Dauer der Übungen an Ihre eigene Empfindlichkeit an: Beginnen Sie langsam und achten Sie auf die Reaktionen Ihres Körpers.
Wenn Sie während einer Übung Schwindel, Herzklopfen oder Unwohlsein verspüren, unterbrechen Sie die Übung und setzen Sie sie später mit mehr Achtsamkeit und Sanftheit fort.
Innere Harmonie wiederfinden: individuelle Begleitung für Ihren Weg
Sich um Ihr Nervensystem und insbesondere um Ihren Vagusnerv zu kümmern, bedeutet, die Verbindung zwischen Körper und Geist zu pflegen. Indem Sie diese Kommunikation wiederherstellen, fördern Sie eine tiefe und nachhaltige Beruhigung Ihrer Ängste. Ruhigere Atmung, erholsamer Schlaf, besser regulierte Emotionen – Schritt für Schritt gewinnt Ihr Nervensystem seine natürliche Fähigkeit zur Selbstregulierung zurück.
Wenn Sie sich in diesem Prozess begleiten lassen möchten, biete ich Ihnen eine individuelle Begleitung an, die auf die Regulierung des Nervensystems ausgerichtet ist. Als Psychologin und Psychotherapeutin, spezialisiert auf diesen Bereich, integriere ich psychokörperliche und kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze, um Ihnen dabei zu helfen, Ihren Vagustonus zu stärken, Angstkreisläufe zu beruhigen und ein dauerhaftes inneres Gleichgewicht wiederzufinden.
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Ich wünsche Ihnen schon heute eine wunderbare Reise zu Ihren inneren Ressourcen!

